Zuckerkrise in Polen?
Unsere polnischen Nachbarn stürmen seit einiger Zeit die Zuckerregale deutscher Supermärkte. Ursachen dieses „Zuckertourismus" erklärt das Deutsch-Polnische Verbraucherinformationszentrum.
Seit zirka zwei Wochen kaufen polnische Kunden in den ostbrandenburgischen Supermärkten auffällig große Mengen von Zucker ein. Diese unverhofften Vorratskäufe führten in einigen Läden sogar schon zum Engpass der „weißen Ware".
Grund dafür ist die enorme Preissteigerung für Zucker, die seit drei Monaten in Polen zu beobachten ist. Hat man im Dezember Zucker noch für 75 Cent kaufen können, so liegen gegenwärtig die Preise zwischen 1,13 € und 1,23 €. In manchen Regionen kostet das Kilo bis zu 1,50 €. „Auslöser dieser Situation ist die EU-Zuckermarktreform von 2006/2007, die eine Beschränkung der Zuckerproduktion in der EU beabsichtigte", erklärt Dr. Katarzyna Guzenda vom Deutsch-Polnischen Verbraucherinformationszentrum. „Infolge dieser Reform wurde Polen vom Zuckerexporteur zum Zuckerimporteur. Da der Bedarf an Zucker die festgesetzte Quote von 1,6 Mio. Tonnen um ca. 200.000 t übersteigt, muss der inzwischen auf dem Weltmarkt teuer gewordene Zucker aus Drittländern importiert werden." Der seit 2009 gestiegene Weltmarktpreis ist auf die schlechte Ernte und auf die Tatsache zurückzuführen, dass die größten Zuckerexporteure, wie Brasilien, Australien oder Indien, Zucker bevorzugt auf den regionalen unterversorgten Märkten verkaufen. Die steigenden Preise sowie die Angst vor einer Versorgungslücke haben viele Menschen in Polen zu Hamsterkäufen veranlasst. Durch die extrem hohe Nachfrage wurden die Preise weiter in die Höhe getrieben. „Vermutlich handelt es sich um eine vorübergehende Situation, die sich bald entspannen wird und der Zuckerpreis an Stabilität gewinnen kann", so Dr. Guzenda.
25.3.2011